Pressespiegel
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BZ, 06.02.2008

Fa. Topf & Söhne

Stell dir vor, dir wird klar, dass deine Familie die Öfen für Auschwitz gebaut hat

Der Berliner Autor Hartmut Topf (73) hat sich schon mit vielen Themen beschäftigt. Doch erst in den letzten Jahren mit seiner dunklen Familiengeschichte.

Von Thomas Kittan

Darüber berichtete er jetzt vor dem Verein „Zeitzeugenbörse“. Hartmut Topf ist Urenkel von Johann Andreas Topf (1816-1891), 1887 Gründer der Firma „Topf & Söhne“ – später Hauptlieferant der Verbrennungsöfen der Vernichtungslager in Auschwitz. Werbeslogan: „Stets gern für Sie beschäftigt.“

Nach dem Krieg hatte Topf als 12-Jähriger von den Geschäften seiner Verwandten, den Vettern seines Vaters, erfahren. In einer Wochenschau wurde über die Vernichtungslager berichtet. Als die Kamera auf die Verbrennungsöfen schwenkte, erblickte er das Firmenlogo. Als Kind stellte er noch keine Fragen. Erst nach dem Mauerfall begann er, die Geschichte intensiver zu erforschen.

Für Hartmut Topf steht fest, dass die ab 1935 verantwortlichen Firmenchefs, seine Großcousins Ludwig (1903-1945) und Ernst-Wolfgang (1904-1979), keine fanatischen Nazis waren – obwohl sie 1934 der NSDAP beigetreten waren. Politisch eher Mitläufer. Beide haben sich dennoch moralisch schuldig gemacht, denn sie wussten, was sie taten. Für knapp 400 000 Reichsmark lieferten sie die Verbrennungsöfen. Anlagen, in den Millionen Menschen verbrannt wurden. Juristisch betrachtet sind sie keine Täter, ein Verfahren kam nicht zustande.

Hartmut Topfs Vater Albert (1900-1947) arbeitete nicht bei der Firma „Topf & Söhne“, sondern als Ingenieur bei Siemens. Er wurde nach dem Krieg verhaftet, kam in Sachsenhausen ums Leben. Firmenchef Ludwig vergiftete sich in der Nacht zum 31. Mai 1945 mit Zyankali – aus Angst vor Rache, Teilhaber Ernst-Wolfgang floh in den Westen und gründete die Firma neu in Wiesbaden. Am alten Standort in Erfurt wurde aus dem Unternehmen der VEB Erfurter Mälzerei- und Speicherbau. Für die Erforschung der Geschichte von „Topf & Söhne“ erhielt Hartmut Topf 2007 das Bundesverdienstkreuz.